
Intermodale Logistik
Die intermodale Logistik ist eine besondere Form der multimodalen Logistik und beschreibt den Gütertransport mit mindestens zwei verschiedenen Verkehrsträgern, insbesondere Straße, Schiene und/oder Wasserstraße, unter Verwendung standardisierter Ladeeinheiten wie See-Containern, Wechselbrücken oder (kranbaren) Sattelaufliegern. Dabei wird der Hauptlauf vorzugsweise per Bahn, Binnen- oder Seeschiff durchgeführt, während der Vor- und Nachlauf auf der Straße möglichst kurzgehalten wird. Die Ladung bleibt während des gesamten Transports in der Ladeeinheit, ein Umladen entfällt. Ziel ist es, die jeweiligen Stärken der Verkehrsträger optimal zu kombinieren – etwa die Flexibilität der Straße mit der Umweltfreundlichkeit und Kapazität der Schiene oder Binnenschifffahrt. [1]
Im Schienenintermodalverkehr übernehmen spezialisierte Akteure zentrale Rollen: Intermodale Operateure (z. B. Logistikdienstleister) organisieren und koordinieren die gesamte Lieferkette, Infrastrukturbetreiber stellen Netze, Trassen und Terminals bereit, während Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVUs) für die operative Zugführung verantwortlich sind. [2] Dieses abgestimmte Zusammenspiel bildet die Grundlage für effiziente, zuverlässige und nachhaltige Transportlösungen.
Leistungsfähige Infrastrukturen sind dabei essenziell – darunter moderne Umschlagterminals mit Portalkränen oder Reachstackern für den schnellen Wechsel zwischen Straße und Schiene [3], ein gut ausgebautes, belastbares Schienennetz sowie gesicherte Trassenkapazitäten für planbare und störungsarme Verkehre. [4]
Der Schienenintermodalverkehr bietet zahlreiche Vorteile: Mit Geschwindigkeiten von rund 80 bis 140 km/h ist er schnell [5], besonders bei Nutzung von Ökostrom deutlich umweltfreundlicher als der reine Straßengüterverkehr und hoch effizient – ein Güterzug ersetzt bis zu 52 Lkw. [6] Dies entlastet das überlastete Straßennetz, senkt Emissionen, Energieverbrauch und Lärmbelastung. [6] Darüber hinaus ist der Schienengüterverkehr weniger personalintensiv und dadurch weniger anfällig für den wachsenden Fahrermangel im Straßensektor. [7] Feste Slots, kurze Kran- und Rangierzeiten sowie eine geringe Störanfälligkeit gewährleisten eine hohe Zuverlässigkeit. Auch im Hinblick auf die Verkehrssicherheit bietet der Schienenverkehr deutliche Vorteile: geringere Unfallzahlen und Schadensquoten im Vergleich zur Straße. [5] Weitere strukturelle Vorteile der Schiene sind höhere zulässige Nutzlasten je nach Geschwindigkeit der Züge – statt 40 t Gesamtgewicht wie im Straßenverkehr sind auf der Schiene bis zu 44 t erlaubt. [6, 8] Zudem ist der Schienenverkehr nicht von Wochenend- oder Ferienfahrverboten betroffen. [8] Bei Entfernungen von bis zu 200 km im Vor- und Nachlauf zum Terminal dürfen Transporte im Kombinierten Verkehr auch an Sonn- und Feiertagen durchgeführt werden. [8] Der Kombinierte Verkehr ist ein spezifischer Teilbereich der intermodalen Logistik. Bei der der Hauptlauf (also die längste Strecke) umweltfreundlich auf Schiene, Binnen- oder Seeschiff erfolgt und nur die Vor- und Nachläufe per Lkw gefahren werden. [8]
Ein weiterer Träger im intermodalen System ist die Binnenschifffahrt (Barge), insbesondere im Hinterlandverkehr von Seehäfen. Sie ist ideal für großvolumige, nicht zeitkritische Transporte und zeichnet sich durch hohe Ladekapazitäten, und geringe Infrastrukturkosten aus. Binnenschiffe entlasten zusätzlich die Straße und lassen sich nahtlos in kombinierte Transportketten einbinden. [9]
Vor dem Hintergrund der prognostizierten Zunahme des EU-Güterverkehrs um 50 % zwischen 2023 und 2050 und der Tatsache, dass derzeit rund 30 % der steigenden Verkehrsemissionen durch Gütertransporte verursacht werden [10], gilt der Ausbau intermodaler Lösungen zum zentralen Hebel für eine nachhaltige Verkehrspolitik. Die gezielte Verlagerung von der Straße auf klimafreundlichere Verkehrsträger wie Schiene und Wasserstraße soll die Umweltauswirkungen des Verkehrssektors vom Wirtschaftswachstum entkoppeln.
Insgesamt stellt die intermodale Logistik mit starker Integration von Schiene und Binnenschiff eine zukunftsorientierte Antwort auf die Herausforderungen des wachsenden Güterverkehrs dar – effizient, klima- und ressourcenschonend sowie robust gegenüber steigenden logistischen Anforderungen.
Quellen
[1] Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM) (2025): Was ist Kombinierter Verkehr und wie wird er durchgeführt? Zuletzt geprüft: 09.12.2025
[2] Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) (2025): Verkehrsträger kombinieren: So funktioniert Intermodalverkehr. Zuletzt geprüft: 09.12.2025
[3] Europäische Kommission (2022): Study analyses transhipment options for more competitive intermodal transport and terminal capacity on TEN-T network. Zuletzt geprüft: 09.12.2025
[4] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMV) (2017): Masterplan Schienengüterverkehr. Zuletzt geprüft: 09.12.2025
[5] DHL Freight (2025): Bahnfracht Europa. Zuletzt geprüft: 09.12.2025
[6] Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) (2022): Systemvorteile der Schiene. Zuletzt geprüft: 09.12.2025
[7] International Union of Railways / International Union for Road-Rail Combined Transport (UIC/UIRR) (2024): 2024 Report on Combined Transport in Europe. Zuletzt geprüft: 09.12.2025
[8] DHL Freight (2024): Das 1x1 des intermodalen Verkehrs. Zuletzt geprüft: 09.12.2025
[9] Europäische Kommission (2021): NAIADES III action plan. Zuletzt geprüft: 09.12.2025
[10] Europäische Kommission (2023): Green Deal: Greening freight for more economic gain with less environmental impact. Zuletzt geprüft: 09.12.2025





