Die Wingcopter GmbH mit Sitz im hessischen Weiterstadt bei Darmstadt stellt unbemannte Drohnen zur Lieferung von medizinischen Gütern und zur Zustellung von Paketen und Lebensmitteln her. Das vielfach ausgezeichnete Unternehmen hat sich dem Ziel verschrieben, das Leben von Menschen weltweit durch sinnvolle kommerzielle und humanitäre Anwendungen zu verbessern. Im Frühjahr hat der Drohnen-Hersteller sein neues Modell „Wingcopter 198“ vorgestellt.

Wingcopter-Drohnen können für die Warenlieferung von schwer zugänglichen, ländlichen und abgelegenen Regionen eingesetzt werden. Bild: Wingcopter GmbH

Wingcopter entwickelt und produziert Lieferdrohnen, die eine Ladung von bis zu sechs Kilogramm transportieren können, eine Reichweite von über 100 Kilometern und eine Spitzengeschwindigkeit von 150 km/h haben. Die Drohnen werden in humanitären und kommerziellen Projekten auf der ganzen Welt eingesetzt, insbesondere für die schnelle Lieferung medizinischer Produkte wie Medikamente, Impfstoffe, Blutproben oder Blutkonserven an abgelegene oder schwierig zu erreichende Orte.

Von der Idee bis zur Unternehmensgründung

Das Start-up wurde 2015 von Tom Plümmer (CEO) und Jonathan Hesselbarth (CTO) gegründet. 2017 stieß der Elektroingenieur Ansgar Kadura (CSO) hinzu – Wingcopter wurde als GmbH angemeldet.

Bereits 2011 hatte Jonathan Hesselbarth begonnen, mit dem Ansatz einer Hybriddrohne zu experimentieren. Inspiriert von der Technologie und dem Design des Kipprotor-Wandelflugzeugs V-22 Osprey, machte es sich der leidenschaftliche Modellflugzeugbauer zum Ziel, eine Hybrid-Drohne zu bauen. Dafür verwendete er Schwenkrotoren, die es der Drohne ermöglichen, vertikal zu starten und zu landen und gleichzeitig schnell und weit vorwärtszufliegen. Er patentierte den Schwenkrotor-Mechanismus und optimierte die Technologie.

2015 schloss er sich mit Tom Plümmer zusammen, der nach einem Ghana-Aufenthalt nach einer Möglichkeit suchte, die Versorgungsketten im Gesundheitswesen in ländlichen Gebieten zu verbessern. Gemeinsam brachten sie Wingcopter zur Marktreife.

Inzwischen zählt das Start-up 135 Mitarbeiter und erhielt Anfang 2021 18 Millionen Euro von Xplorer Capital aus dem Silicon Valley, dem Futury Regio Growth Fonds aus Hessen sowie weiteren Investoren. Die Wingcopter-Drohnen sind Teil von Projekten und Kooperationen weltweit.

Das Wingcopter-Gründerteam (v. l.): Jonathan Hesselbarth, Ansgar Kadura und Tom Plümmer. Bild: Wingcopter GmbH

Aktuelle Projekte und Kooperationen

Aktuell ist das Unternehmen, das von 2017 bis 2019 Teil der Start-up-Förderung der House of Logistics and Mobility (HOLM) GmbH war, unter anderem in Malawi aktiv. Dort baut Wingcopter gemeinsam mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und mit UNICEF ein Netzwerk für die drohnenbasierte Lieferung von medizinischen Gütern auf.

Zudem hat Wingcopter kürzlich eine Partnerschaft mit der größten japanischen Fluggesellschaft ANA geschlossen, die den Aufbau eines drohnenbasierten Liefernetzwerkes in Japan anstrebt.

In Mecklenburg-Vorpommern war das Unternehmen, das 2020 vom World Economic Forum als Technology Pioneer ausgezeichnet wurde, bei einem Projekt mit dem Universitätsklinikum Greifswald und der Deutschen Luftrettung DRF eingebunden, bei dem die schnelle Lieferung von Blutproben zwischen Krankenhäusern getestet wurde.  

Jüngst hat Wingcopter die Zusammenarbeit mit Air Methods, Amerikas führendem Anbieter von flugmedizinischen Notfalldiensten, verkündet. Die Wingcopter-Drohnen sollen künftig für den Aufbau eines Drohnennetzes in den Vereinigten Staaten eingesetzt werden und unter anderem Krankenhäuser und Kommunen in ländlichen Gebieten mit medizinischen Gütern versorgen. Testflüge starten im Herbst 2021. Für das Vorhaben kommt das im Frühjahr vorgestellte neue Modell „Wingcopter 198“ zum Einsatz.

Neues Modell „Wingcopter 198“

Mit dem „Wingcopter 198“ sind Lieferungen effizienter möglich als mit dem bisherigen Typ „Wingcopter 178“, da der „Wingcopter 198“ pro Flug bis zu drei Pakete an unterschiedliche Zielorte ausliefern kann. Mit dem neuen Modell kann der Pilot zudem bis zu zehn Wingcopter gleichzeitig bedienen. Darüber hinaus sind diverse Sicherheitsfeatures wie ein KI-basiertes Detect-and-Avoid-System verbaut, das bei Bedarf selbständig Ausweichmanöver einleiten kann.

Das neue Wingcopter-Modell 198. Die Triple-Drop-Lieferdrohne kann bis zu drei Pakete an unterschiedliche Zielorte ausliefern. Bild: Wingcopter GmbH

Für die Zukunft hat Wingcopter große Pläne. Das Unternehmen möchte langfristig in mehreren Ländern Drohnen-Liefernetzwerke aufbauen, die zunächst vornehmlich für medizinische Güter, später auch für alle anderen Arten von dringend benötigten Produkten genutzt werden sollen.